Provinzkustodie Österreich-Schweiz
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Excursion régionale à Brno

Cathedral

Unsere Minoritengemeinschaft ist am Montag, dem 2. Juni zu einem Besuch nach Brünn aufgebrochen. Der Tagesausflug, vor allem die Stadtbesichtigung in Brünn mit entsprechender guter Führung und die Rast zur Mittagszeit in einem uralten Kellergewölbe wurde von unserem Mitbruder Thomas Manalil bestens vorbereitet. Ihm sei dafür herzlich gedankt.

Einige „Highlights“, persönliche Eindrücke und Informationen möchte ich hier festhalten.

Da mein letzter Besuch in Brünn sehr lange zurückliegt -es war anlässlich eines Priesterjubiläums in unserer Minoritenkirche noch zur Zeit des Kommunismus – konnte ich jetzt bewundernd staunen über die gelungenen Restaurierungsarbeiten an Häusern und Kirchen. Die Stadt kann sich sehen lassen. Wir trafen uns vor der Minoritenkirche, die dem Hl. Johannes geweiht ist, der ein Konvent  angeschlossen ist. Selbst in der Ära des Kommunismus konnte die Präsenz eines Minoritenpaters gehalten werden.

Brünn mit derzeit rund 400.000 Einwohnern ist die größte Mährische und die zweitgrößte Tschechische Stadt. Eine Stadtwanderung ist eine Geschichtslektion besonderer Art. Man begegnet immer wieder der 500 Jahre währenden Zugehörigkeit zur Habsburgmonarchie. Brünn hatte bis zur Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung, die etwa die Hälfte der Einwohner ausmachte, einen fast ebenso hohen Anteil tschechischer Bürger. Man war also durchaus zweisprachig und es gab trotz aller Spannungen eine fruchtbare kulturelle Symbiose.

Zwei Bauelemente, der Jugendstil und die funktionale Bauweise des „Bauhausstils“ sind hier auffallend und geben Zeugnis von wohlhabenden Bevölkerungskreisen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Die Gebäude sind bestens restauriert. Der wirtschaftliche Aufschwung ist aber schon in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts spürbar, wie die interessanten Ringstraßenbauten zeigen.

Das wichtigste Wahrzeichen von Brünn ist die gotische Kathedrale auf dem Petersberg, der Dom der den Heiligen Petrus und Paulus geweiht ist. Er ist ein Glanzstück der Hochgotik auf den Fundamenten eines romanischen Gotteshauses.

Das 2. Wahrzeichen ist der mit Burg und Festung gekrönte Spielberg. Die Festungsbauten gehen in das 13. Jahrhundert zurück. Spielberg, später in kaiserlichen Besitz, erwies seine strategische Stärke während der zweimaligen schwedischen Belagerungen. (1643 und 1645). Beide Male konnten die Festung und die Stadt den Angriffen standhalten. Das zweimalige Glockengeläut, nämlich um 12 Uhr Mittag und eine Viertelstunde vorher, erinnern an dieses Ereignis. Von hier geniest man auch einen wunderbaren Blick auf die Stadt, wobei wir besonders auf das Augustinerkloster aufmerksam gemacht wurden, in dem der Augustinermönch Gregor Mendel (+1884) die moderne Vererbungslehre begründete.

Rathaus

In der Nähe des Krautmarktes besuchten wir das alte Rathaus. Das spätgotische Portal von Anton Pilgram (um 1500) der auch in der Stephanskirche und in anderen Kirchen gearbeitet hat und die ungewöhnliche Renaissanceloggia ließen den Bau in die Kunstgeschichtet eingehen.

Im Durchgang zum Hof ist der sogenannte „Brünner Lindwurm“, ein ausgestopftes Krokodil, zu sehen, das Geschenk einer orientalischen Gesandtschaft, und das Wagenrad, das ein Wagner an einem Tag angefertigt und von Eisgrub nach Brünn gerollt haben soll.

Eine Führung durch unsere Minoritenkirche und der dazugehörigen Lorettokapelle lassen erahnen, wie man in der Barockkunst religiöse Gefühle zum Ausdruck brachte. Bei aller Wertschätzung der Kunstrichtung spüren wir heute auch die „Überladung“ und sprechen deshalb manchmal vom „Böhmischen Barock“.

Ein Detail, das mich persönlich berührte ist die erste Eisenbahnverbindung der Donaumonarchie auf der Strecke Wien – Brünn aus dem Jahr 1839. Mein Ur-Urgroßvater mütterlichseits, Josef Polivka, war im Jahre 1876 als gelernter Schlossermeister und Lokomotivführer der K & K Nordwestbahn, wie in der Taufmatrik seiner Nachkommen zu lesen ist.

Wir haben die eindrucksvolle Stadt Brünn verlassen, nachdem wir in einem Vorort das kleine Haus anschauten, in dem die Familie der späteren Schwester Helene Restituta Kafka gelebt hat. Sie starb, des Hochverrats angeklagt, im Wiener Landesgericht unter dem Fallbeil und wurde von Papst Johannes Paul II. in Wien seliggesprochen.

Wir sind durch das Weinviertel in Richtung Wien gefahren. In einer Kellergase Falkensteins haben wir uns plaudernd und dankbar für den schönen Tag, ana gsunden Jausen und an Glaserl Wein hingegeben. So an Ausflug moch ma wieder!

Fr. B. Springer

Fr. Bernard Springer